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Lignotrend, Projekt Refuge Gouter

Refuge du Goûter - Auf dem Weg zum höchsten Gipfel Europas

Die neue Berghütte Refuge du Goûter erleichtert Alpinisten seit Sommer 2012 den Aufstieg zum Montblanc. Damit findet eine architektonisch und ingenieurstechnisch extreme Herausforderung nach drei Jahren Bauzeit ihren erfolgreichen Abschluss. In der Holzkonstruktion in Leichtbauweise wurden unter anderem die  Brettsperrholz-Rippenelemente der Firma Lignotrend verwendet, die geringes Gewicht mit massiver Robustheit kombinieren.

Die Decke im Gast- und Aufenthaltsraum ist mit Akustik-Elementen von Lignotrend ausgestattet.
In den Schlafräumen sorgen schalldämmende Deckenelemente von Lignotrend für angenehme Ruhe. Bilder: Lucien Fortunati

Der französische Alpenverein, Betreiber der gleichnamigen bisherigen Berghütte am Grat Goûter, sah sich durch die ständige Überbelegung und die veralteten sanitären Anlagen veranlasst, einen Neubau an der vielbegangenen Kletterroute zu planen. Standort ist nun die westliche Seite des Grats, 200 m von der alten Refuge entfernt, am Rande des ewigen Eises auf 3835 m Höhe. Von dort lässt sich der höchste Gipfel Europas in rund fünf Stunden erreichen.

Doch das Hochgebirgsklima stellt sowohl architektonisch als auch bautechnisch extreme Bedingungen: Durchschnittliche Temperaturen von minus 7°C, Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h, ein um 40 Prozent verminderter Sauerstoffgehalt der Luft, ganzjähriger Schnee. Darüber hinaus kein Anschluss an Wasser- oder Stromnetze, keine Zufahrtsmöglichkeit für Transportfahrzeuge, sämtliches Material muss per Hubschrauber herangeschafft werden. Dieser Herausforderung stellten sich der Architekt Hervé Dessimoz vom Architekturbüro Groupe H, Paris, und der Holzbauingenieur Thomas Büchi von Charpente Concept, Genf

Holzkonstruktion in Leichtbauweise

Für derart schwieriges Gelände bietet sich eine Holzkonstruktion in Leichtbauweise als optimale Lösung an. Die in dieser Höhe maximale Tragfähigkeit der Helikopter von 550 kg zwingt ausserdem dazu, sämtliches Baumaterial in Bezug auf geringes Gewicht bei grosser Stabilität zu optimieren und eine Konstruktion zu entwerfen, die sich segmentieren und mit einfachen Mitteln und Werkzeugen wieder zusammensetzen lässt.

Nach diesen Vorgaben gestaltet sich auch der Entwurf von Dessimoz und Büchi: Die fertiggestellte Hütte ragt wagemutig über einen 1500 m tiefen Abhang gen Westen aus dem Bergrelief heraus. Das Fundament liegt auf 69 Mikropfählen, die 8 m tief im Fels verankert sind. Um Gewicht zu sparen, wurde es zweigeteilt. Die höhenversetzten Blöcke bestehen aus weniger als 10 Kubikmeter Beton. Darin eingelassen ist eine Stahlkonstruktion, die die Plattform für den gesamten Skelettaufbau trägt. Das viergeschossige Holzskelett besteht aus Brettschichtholz der Festigkeitsklasse GL28, in das vorgefertigte Wand- und Deckenscheiben eingefügt sind.

Durch die elliptische Form vermindert sich die Windbelastung der Gebäudes. Zudem sammelt sich so auch der Schnee im Rücken der Hütte direkt am Berg. Türen und Zugänge bleiben auf natürlichem Wege frei. Die Aussenhülle besteht aus gebürsteten Edelstahlplatten, Photovoltaik- und Solarthermie-Elementen sowie dreifach verglasten Fenstern.

Die verwendeten Brettsperrholz-Rippenelemente im Gastraum wurden werkseitig mit Akustikprofil versehen.
LIGNO_Rippe_Q3

Energetische Autonomie

Energetische Autonomie und ökologischer Betrieb der Hütte waren weitere Vorgaben des französischen Alpenvereins für den Entwurf. So ist das Gebäude bis auf die Gasversorgung der Herde in der Küche energieautark. Eine 97 Quadratmeter grosse Photovoltaik-Fläche übernimmt die Stromerzeugung, ein mit Solarthermie-Kollektoren betriebener Schneeschmelzer die Wasserversorgung. Das Abwasser wird mit einer üblicherweise in U-Booten verwendeten Technik direkt vor Ort geklärt.

Die sehr gute Gebäudedämmung aus Holzweichfaser und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung reduzieren den Wärmeverlust des Gebäudes auf ein Minimum. Reguliert wird die Lüftung in Abhängigkeit von der Belegung anhand von Feuchtigkeits- und CO2-Sensoren; so erreicht die Lüftungsanlage einen Wirkungsgrad von 75 Prozent. Ein Biomasse-Blockheizkraftwerk ergänzt die Heizung und dient als Reserve. Die Räumlichkeiten umfassen 120 Schlafplätze auf den oberen beiden Etagen, einen grossen Gastraum mit Küche sowie eine Technikebene und Umkleide im Erdgeschoss.

Gewichtsreduzierung als Vorgabe

Für die neue Refuge hatten sich sowohl Konstruktion als auch Material zwingend den beiden Faktoren Gewicht und Stabilität unterzuordnen. Deshalb wurden die Hölzer für die Skelettkonstruktion bereits bei der Auswahl per Ultraschall nach Festigkeit sortiert. Auf diese Weise liessen sich die Querschnitte der Balken schmaler dimensionieren, was eine Gewichtsersparnis von bis zu 60 Prozent brachte. Um den Handwerkern – alle erfahrene Holzbauer und Bergleute - die Arbeit zu erleichtern, waren keine weiteren Schnitte auf der Baustelle nötig. Sämtliche Verbindungen wurden mit verleimten Gewindestangen oder mit Bolzen ausgeführt. Ein Schnellmontagekran sorgte vor Ort für die Platzierung der Bauteile.

Auch die aussteifenden Decken unterlagen den Vorgaben der Materialeffizienz bei hoher Stabilität und einfacher Montage. Hier empfahlen sich Brettsperrholz-Rippenelemente von Lignotrend, denn sie meistern diese Anforderungen auf ideale Weise: Lignotrend-Elemente sind zwar massiv und robust, dabei aber nicht zu schwer, da das  Holz nur an statisch notwendigen Stellen angeordnet wird.

Die materialeffizienten Elemente sind dank des Brettsperrholzprinzips verzugsfrei und nehmen als Scheibe Windlasten problemlos auf. Und sie sind vorgefertigt – auf Wunsch inklusive Elektroleitungen, Dämmung und Innenausbau. Die Montage ist simpel und die Bauzeit konkurrenzlos kurz. Nicht zuletzt gleicht die offene Holzmasse durch ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben, das Raumklima in der extrem trockenen Luft hochalpiner Regionen angenehm aus.

Multifunktionale Elemente

Bei den drei unteren Geschossdecken der Berghütte ist eine besonders materialeffiziente und multifunktionale Brettsperrholz-Variante von Lignotrend verbaut. Die Rippenelemente Typ LIGNO Rippe Q3  sorgen dank ihrer hervorragenden Trittschalldämmung für beste Ruhequalität zwischen Gastraum, Schlafräumen und Technikebene. In der tragenden Decke über dem Gastraum sind die Lignotrend-Elemente zusätzlich mit einer raumakustisch wirksamen Leistenuntersicht sowie einem hinterlegtem Akustikabsorber ausgestattet. Verwendet wurde dafür die LIGNO Rippe Q3 Z1 Akustik (Feuerwiderstand 60 Minuten). Diese Konstruktion mindert den Geräuschpegel und sorgt damit im Aufenthaltsbereich für eine angenehm ruhige Atmosphäre, selbst bei dichtester Belegung der Hütte.

Als Besonderheit für die höchstgelegene bewirtete Hütte Europas verwendete Lignotrend für alle Deckenelemente einschliesslich der Sichtoberfläche Holz von Bergfichten aus der Region rund um den Montblanc. In der Regel setzt das Unternehmen für diese natureplus-zertifizierten Elemente Fichte und Weisstanne aus dem Schwarzwald ein.

Text: Annette Rauhaus

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