Weisstanne – gut für den Wald

Die Menschen in Mitteleuropa haben eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Wald. Schon in der Ur- und Frühgeschichte galten Wälder als mystisch und Bäume zum Teil als heilig!

Unveränderte Wiedergabe eines im Fachmagazin „LIGNO“ erstmals veröffentlichten Fachbeitrags von Prof. Dr. rer. nat. Thorsten Beimgraben.
 
Prof. Beimgraben steht dem Lehrbereich Biomasseproduktion und Logistik der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg vor. Er war an der Entwicklung und Umsetzung eines Marketingkonzeptes für die Weisstanne beteiligt.
 
Forum Weisstanne e. V.
» www.weisstanne.info

Auch heute sind wir an stabilen und zugleich ästhetisch wertvollen Wäldern interessiert – als Waldbesucher ebenso wie als Waldbesitzer. Damit Wälder stabil bleiben, müssen sie durch waldbauliche Massnahmen, also durch Erntemassnahmen im Bestand, gepflegt werden. Unterbleibt dies, so werden die Wälder überaltern und, sobald die Altersgrenze erreicht ist, zusammenbrechen. In einem solchen Falle wäre ein ökologisch wertvoller und nachwachsender Rohstoff vergeudet.

Die Nutzung von Holz für den massiven Hausbau ist aus dieser Sicht ein Beitrag zur Stabilisierung und Sicherung unser Wälder. Nicht zuletzt ist ein in der Region produzierter und verarbeiteter Rohstoff Holz ein ökonomisch sinnvoller Beitrag zur regionalen Wertschöpfung.

Holz fliesst dabei nicht nur in den unsichtbaren konstruktiven Bereich eines Gebäudes, sondern kann durch moderne Verarbeitungs- und Fertigungstechniken gleichzeitig als konstruktives und dekoratives Element eingesetzt werden. Je nach architektonischer Interpretation sind belebte oder schlichte Holztexturen gefragt. Dies kann sowohl über die Holzart selbst als auch über die sichtbare Schnittebene gesteuert werden.

Neben der Fichte als klassische Baumart für konstruktive Zwecke werden inzwischen auch wieder andere Holzarten gezielt im sichtbaren Bereich eingesetzt. Die Weisstanne (Abies alba Mill.) weist ganz ähnliche technische Merkmale auf wie die Fichte (Picea abies L.). Aber gerade unter dem Aspekt der Oberflächengestaltung hat die Weisstanne einige Besonderheiten wie etwa die Harzfreiheit oder die leicht grau-rote Farbe im Unterschied zur eher honiggelben Farbe der Fichte aufzuweisen.

In den Wäldern Südwestdeutschlands hat die Weisstanne derzeit einen relativ geringen Anteil, wobei eine Steigerung aus Sicht der Gesundheit und Stabilität unserer Wälder durchaus wünschenswert wäre. Dies widerspricht nicht einer Nutzung der Weisstanne zum Bauen und Wohnen – ganz im Gegenteil. Der Waldbesitzer hat selbstverständlich ein Interesse an der Erhaltung und Mehrung einer Baumart, die ihm auch langfristig durch stabile Wälder und einen ökonomisch interessanten Holzverkauf einen Beitrag zum Einkommen liefert.

Die Weisstanne kann unter dem Aspekt des Klimawandels eine stabilisierende Wirkung auf unsere Bestände haben. In Mischung mit anderen Baumarten wie der Buche und in gewissen Anteilen auch der Fichte ist sie ein fester Bestandteil natürlicher Waldgesellschaften, wie sie vor der Einflussnahme des Menschen in den Bergmischwäldern vorhanden war. Eine gezielte Baumartenmischung wird unsere Wälder im Hinblick auf die anstehenden klimatischen Veränderungen mit Stürmen oder unregelmässigen Niederschlagsmengen widerstandsfähiger und gleichwohl produktiver machen.