Holzbau-Wettbewerb „Lignotrend konstruktiv“ ist entschieden

Das Ergebnis: Überraschende Vielfalt

Das Holzbausystem von Lignotrend umfasst aufeinander abgestimmte Elemente für Wände, Decken und Dächer, mit denen sich architektonische Gestaltungen jeder Richtung realisieren lassen. Jedes Projekt wird im Vorfeld vom Architekten in enger Zusammenarbeit mit Fachingenieuren und dem Holzbauunternehmer entwickelt, Lignotrend-Fachberater begleiten das Projekt bei Bedarf. Durch die präzise Fertigung lassen sich nahezu alle gewünschten Formen schaffen.

Auf diese herausragende Zusammenarbeit aufmerksam zu machen, war das Ziel des Architekturwettbewerbs „Lignotrend konstruktiv“, der soeben beendet wurde. Für das fünfköpfige Preisgericht konnte das Unternehmen unter anderem Peter Cheret, Architekt und Professor an der Universität Stuttgart, und Prof. Kurt Schwaner, Leiter des Instituts für Holzbau an der Hochschule Biberach, gewinnen. Aus den Fachmedien nahmen Eva Berggötz, Redaktion bba, Claudia Jamnitzky, Redaktion mikado sowie Dagmar Ruhnau Redaktion db teil.

Drei gleichrangige Preise wurden vergeben. Einvernehmlich entschied die Jury, zugunsten eines zweiten Preisträgers in der Kategorie „Objektbau“, die Kategorie „Bauen im Bestand“ nicht zu prämieren, wurde in der dritten Kategorie „Wohnbau“ weiterer Preis vergeben. 

Preis Objektbau: Sprachheilschule in Griesheim

Die drei „Baumhäuser" fügen sich zwischen die Bestandsbäume des Wäldchens ein und gruppieren sich um einen Spielhof. Sie bilden kleine Hausgruppen mit kompakter Erschließung, wenig Verkehrsfläche, Grundfläche und Volumen. Die Verbindung der einzelnen Baukörper untereinander erfolgt mit überdachten Stegen. Die Funktion einer Sprachheilschule bedingt erhöhte Anforderungen an die Akustik der Klassenräume, was durch polygonale Raumzuschnitte und die akustisch wirksamen Oberflächen der Decken (massives Deckenelement LIGNO Rippe Q3) und Wände berücksichtigt wurde. Die Fläche unter den aufgeständerten Bauten dient als überdachter Pausenhof und zur Erweiterung des Mehrzweckraums zum Spielhof. Die Aussteifung erfolgt über Wandscheiben am Treppenraum und schräg gestellte Holzstützen. „Baum-Dächer" im Wald werden mit wartungsfreundlicher geneigter Dachfläche und Entwässerung nach außen errichtet.

Urteil der Jury: Die drei Einzelbauten beziehen sich in der baumbestandenen Umgebung aufeinander. Als Baumhäuser für Kinder korrespondieren entwurfliches Konzept und Funktion. Die gebrochene Bauform kommt der Anforderung nach besonders guter Raumakustik entgegen und ergibt überraschende Raumqualitäten. Im Innenraum überzeugen die sehr sorgfältige Detaillösunge. Auch wenn in den Unterlagen der konstruktive Holzschutz für den Außenbereich leider nicht dokumentiert wurde, setzt sich der saubere Detaileindruck hier fort. Die Farbgebung verleiht den drei mit Dreischichtplatten bekleideten Baukörpern zusätzlich einen besonderen Reiz.

Planung: Ramona Buxbaum Architekten, Darmstadt

Preis Objektbau: Bauhof in Frickingen

Erklärtes Ziel der Gemeinde Frickingen im Bodenseekreis war es, ihre Holzbaukultur auch mit dem neuen Bauhof weiterzuentwickeln. Der mittlere Bereich des teilweise zweigeschossigen Baus wird multifunktional als Durchfahrt, Arbeits- und Montagefläche sowie Fahrzeug-Stellfläche genutzt. Der Teil östlich davon dient als Stellfläche für Maschinen und Material, der westliche Teil für Werkstätten, Sozialräume, Büro und Lager. Die gesamte Konstruktion besteht aus Weißtanne. Die Lastabtragung des östlichen Hallenbereichs erfolgt über acht in Köcher eingespannte Tannenstämme. Über die durchlaufenden Pfetten wirken sie zusammen und übernehmen mit dem Werkstattkubus die Aussteifung des Bauwerks ohne zusätzliche Verbände. Für die Zwischendecken wurden Lignotrend-Akustik-Deckenelemente eingesetzt und damit dem bei diesem Gebäudetypus im allgemeinen kaum beachteten Aspekt der Akustik Rechnung getragen. Dadurch wird ein ungestörtes Nebeneinander möglich, was den Nutzwert entscheidend beeinflusst. Trotz des hochwertigen Ausbaus konnte das extrem niedrige Budget von ca. 100 Euro/m² (KG 3 + 4) eingehalten werden.

Urteil der Jury: Die Architektur des Bauhofs wirkt selbstverständlich, ist sehr angemessen, unprätentiös und schlicht. Die räumliche Aufteilung entwickelt sich aus der Funktion, alle Räume sind direkt erreichbar. Der Bau strahlt durch das Material Holz angenehme Wärme aus, das überall vorhandene Tageslicht trägt ebenfalls zur Aufenthalts- und Arbeitsplatzqualität bei. Planung/Foto: Manfred Fetscher Freier Architekt BDB/BDA, Illmensee

Preis Wohnbau: Einfamilienhaus am See

Lignotrend Magazin

Eine zentral auf dem Grundstück stehende Jugendstil-Villa und die Baugrenze zum Bodenseeufer schränkten den Aktionsradius für einen Neubau stark ein. Letztlich bot sich nur auf der Nordseite des bestehenden Gebäudes ein knapp 11 m breiter Grundstücksstreifen an. Die kompakte Gebäudeform, ursächlich dem Grundstückszuschnitt geschuldet, kommt der Ausführung als Passivhaus entgegen. Besonderheit: Das nicht unterkellerte Gebäude wurde als Rahmen aus biegesteif verbundenen Flächenelementen konstruiert. So konnte der schlanke Grundriss ohne die sonst notwendigen aussteifenden Querwände realisiert werden.

Die Biegesteifigkeit der Verbindung zwischen fertig mit Zellulose gedämmten, modular elementierten Lignotrend-Wandteilen und Boden-/Deckenelementen wurde über speziell beim Elementhersteller entwickelte Verbinder realisiert. Für die Decke über EG wurden Holz-Beton-Verbund-Fertigteilen von Lignotrend eingesetzt. Durch diese Konstruktion wurden Schall- und Schwingungswerte erreicht, die für Holzbauten einzigartig sind. Die Holzfassade ist mit gebäudehohen Industrieglastafeln verkleidet, die einen flächigen, 4 cm schlanken Klimapuffer entstehen lassen.

Urteil der Jury: Trotz des extrem schmalen Grundstücks ist ein großzügiger Grundriss entstanden, Topografie und Tektonik greifen intelligent ineinander. Die konstruktiv innovative Rahmenkonstruktion erübrigt Querwände zur Aussteifung, sodass im stark längsgerichteten Innenraum kein Eindruck von Enge entsteht. Die Rauspundfassade wird durch die vorgeblendeten Profilitglastafeln dauerhaft geschützt.

Planung: Geckeler Architekten, Konstanz

Anerkennung: Skulpturaler Eingangsbau in Stavanger (Norwegen)

Der neue, deutlich erkennbare Haupteingang für den „iPark“, einen Bürokomplex für junge, innovative Unternehmen, sollte von zwei Seiten zugänglich sein und die zwei existierenden Gebäude verbinden. Zwei parallele Stapel aus von Lignotrend vorgefertigten Brettsperrholz-Sonderelementen markieren die neuen Fassaden und den neuen Haupteingang. Gleichzeitig wird durch die Öffnung zwischen den Stapeln der geforderte Rauchabzug gewährleistet. Die Struktur und die Geometrie des Daches bilden im Abschluss das Rezeptionsmöbel und die Sitzgelegenheiten. Damit erfüllt das vorgefertigte Holzelement aus unbehandelter Weißtanne alle statischen und brandschutztechnischen Anforderungen, verbirgt sämtliche Installationen und erzeugt durch die fertige Oberfläche im Innenbereich eine fließende, dynamische Raumwirkung.

Der neue Eingangsbereich besteht aus insgesamt 24 Lagen von Elementen (200 mm hoch und 500 mm breit), die mit Hilfe von Holzdübeln aus Buchenholz zusammengefügt und als bis zu 14m lange Bauteile geliefert wurden. CNC-gefräste Löcher ermöglichen, vor Ort Stahlstifte in die Löcher zu treiben, um die horizontalen Schubkräfte in der Konstruktion aufzunehmen, und gleichzeitig, die Elemente während der Montage sehr genau übereinander zu positionieren.

Die besondere Herausforderung bestand darin, dass bei einer derartig gestapelten Konstruktion aus herkömmlichen Brettschichtholzelementen durch Schwinden und Quellen des Holzes zu Verformungen und Undichtigkeiten führen könnte. Daher wurden bei Lignotrend Spezialquerschnitte gefertigt: Auch die Seitenwände der Kästen bestehen aus kreuzverleimtem Brettsperrholz. Das gewährleistet die stabile Höhe der Elemente bei schwankenden Luftfeuchtigkeiten und Temperaturen. Die Ober- und Unterschicht besteht ebenfalls aus jeweils 3-lagigen Brettsperrholzstreifen.

Urteil der Jury: Das Projekt zeigt einen überraschenden Umgang mit industriellen Teilen. Aus parametrischer Planung entwickelt, erhält das Gebäude einen ebenso expressiven wie skulpturalen Charakter.

Planung: Helen & Hard, Oslo

 

Text: Dagmar Ruhnau © pro publica, Filderstadt (www.pro-publica.de)